3. gyokuro
Ich widme dir einen Gedanken, trocken
Weinend, manchmal, wenn der Winternacht
Schauer die letzte Rinde bricht in der Stille;
Wie ich dich suchte, genoss, litt, verlor.
Verstorbenen gleich, glaube ich dir
Zu begegnen an lächelnden Tagen,
Zwischen all den Sonnenstrahlen funkelst
Du mir entgegen, Wimpernschläge
Meinem trägen Herz.
Doch unsterblich in mir wartest du geduldig,
Während ich mich sehnend entferne ins
Dunkel der Winternacht.
herraermel - 27. Januar, 21:46
Sterne leuchten deinen Pfad,
So fern, so fern -
Blätter schlummern im Mondenglanz;
Blauer Schimmer, Träumen von Waldgeistern
Entschlüpft, bricht lange Schatten knorriger
Bäume.
Gedanken säumen deinen Weg,
So fern, so fern -
Sterne, wehmütige Gefährten, erleuchten
Der Sehnsucht tiefste Furchen, gezogen
Von eigener Hand, zittrig im Herbstwind,
Allein.
herraermel - 10. November, 05:34
Scheue Brise, Lüftchen zahm,
Den Nüstern ergeben, weh, Knospen
Der Sehnsucht zum Opfer, jenen
Duft verwester Herbste heran.
Erinnerung gefallner Blätter, rostrote
Leidenschaft, Kummer gelb, der Verbannung
Zugekehrt, doch nie zu tief verloren unter
Der Zeiten Schnee- und Blütenspiel.
herraermel - 7. Oktober, 17:35
Präteritum und Plusquam-Perfekt sind meine Sehnsucht, Futur I und II meine Hoffnung. Gefährten, die mir leicht von den Lippen gehen.
Mit Präsens hatte ich immer schon meine Schwierigkeiten. Doch neulich gab es einen dieser teuren Momente der Versöhnung, wo das Hier und Jetzt der Rede wert ist und nicht erst das Züruckerinnern oder nur das Herbeisehnen der Zeit ihre Bedeutung verleiht.
Sie sind selten geworden, jene Augenblicke, die für sich gut sind, - kostbarer gleichsam.
herraermel - 11. September, 19:58
Vermisse die Tage,
An denen ich glücklich war,
Vermisse die Tage,
An denen ich liebte,
Wegen dir.
Vermisse die Tage,
An denen du glücklich warst,
Vermisse die Tage,
An denen du liebtest,
Nur wegen mir.
herraermel - 18. August, 03:06
anlässlich positiver resonanz an anderer stelle hier nun die ursprüngliche, längere, extended - special - authors cut - version:
Durch den Nebel
Dicke Schwaden hängen vor den Augen. Schemenhafte Gestalten tauchen auf, tappen unsicher herum - wie ich. Manche winken mir zu, andere scheinen mich nicht zu sehen. Hin und wieder nähert sich eine, sodass ich ihr Gesicht erkennen kann, begleitet mich ein Stück.
Selten dringt der Weg unter meinen Füßen durch den Nebel bis an die Augen. Leise Ahnungen kommen und gehen, mein Ziel bleibt ungewiss. Seltsam, durch den Nebel zu wandern!
Viele Scheidewege habe ich passiert. Die Wegweiser undeutlich, in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Oft stürzte ich über Steine und Wurzeln, die den Pfad säumen. Stand auf, musste weiter.
Woher ich komme – ich weiß es nicht. Weiß nur, dass ich nicht umkehren kann, nicht stehen bleiben darf.
Der Weg ist noch weit, der Nebel dicht.
Dann nahmst du meine Hand und der Pfad wurde lichter. Sind uns Trost und Halt, geben uns Geleit. Lassen uns nie fahren.
Unsere Ziele zwar verschieden, doch teilen wir den Weg.
herraermel - 15. August, 12:11
Erinnerung,
Silbrig von Mondglanz, zart und feucht
Wie deine Lippen.
Erinnerung,
Ein Nebelleuchten, schaurig lockend
Wie deine Augen.
Erinnerung,
Verglüht in Flammen, lodernd und tückisch
Wie deine Berührung.
Dein Atmen erklärt die Welt.
Den Sinn neu suchen scheint so schwer,
So schwer.
Leer,
Das Leben ohne den Klang dieses Luftholens
Im Rhythmus der Zeit.
herraermel - 13. August, 22:14
Ich stehe am Abgrund - wieder. Weite Wiesen umklammern mich, erpressen meine Brust.
Die tiefe Schlucht saugt den letzten Tropfen aus dem Auge. Welches Leid hält mich noch hier oben, wenn ich nicht mehr weinen kann?
Der Duft süßer Ewigkeit umschmeichelt die Sinne. Lass dich sinken in samtene Unendlichkeit! Lass los!
Ein Wind kommt auf. Ein zarter Hauch lüftet die Wiesen. Die Umklammerung löst sich, der Duft verfliegt. Die Tränen kehren wieder, die letzten Reserven sind noch nicht verbraucht.
Nun muss ich dich verlassen, Abgrund, teurer Freund. Wisse, ich komme zurück. Eines Tages werde ich bereit sein, fallen können - Und du wirst auf mich warten.
(2005)
herraermel - 11. August, 14:49
Wenn der Sturm dich packt
Schüre das Feuer!
Zerreißt der Donner dein Gemüt
Schrei ihm entgegen!
Geht der Hagel auf dich nieder
Leg deinen Leib frei!
Vergiss dich, sie, alles!
Lebe den Rausch…
Wenn die Luft sich legt
Kehre den Ruß.
Greift dich die Stille
Summe das alte Lied.
Schmelzen die Steine
Verbirg deinen Körper.
Vergiss Sturm, Donner, Hagel!
Genieße die Wärme.
Streite alles ab.
herraermel - 4. August, 15:42
Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich ein kleines Stück vom Himmel; aber das reicht nicht.
Dort wo Wiesen mit vereinzelten Haselnussbäumchen sein sollten, altmodische Nachbarhäuser von krummen Holzzäunchen umgeben, in der Ferne Wälder und weite Haine, - dort steht viel zu nahe ein großes, langgezogenes Haus, zusammengesetzt aus Quadern und Würfeln, dem Abschaum unter den geometrischen Körpern, Balkon an Balkon, Fenster an Fenster.
Meinen Augen ist diese Aussicht zu eng. Wenn ich sie schließe, ist alles da, wo es hingehört. Manchmal sogar die Klänge und Düfte. Man meint, man sollte die Augen überhaupt nicht mehr öffnen. Aber der Fernseher und die Karrierehoffnungen ziehen mich immer wieder in mein Zimmer zurück.
Die so genannte Wirklichkeit und das andere, dem ich keinen annähernd treffenden Namen zu geben vermag, passen nicht zusammen: Ich bin kurzsichtig. Was soll das?
herraermel - 30. Juli, 13:55