2. bancha
seismik
dass man glücklich ist, erkennt man daran, dass man auch sehr schnell traurig werden kann.
optik
irgendwie ist alles bunter und interessanter, wenn man sich darauf einlässt.
semantik
galgenfrist ist ein synonym von chance.
herraermel - 14. August, 12:56
„Weißt du, es sind die Gespräche mit dir, die mich zum Schaffen anregen“
„Deinem Schaffen ging zumindest immer ein solches Gespräch voraus“
„Du bist lange weg gewesen“
„Du hast lange nicht geschaffen“
„Es war einsam ohne dich. Ich fühlte mich irgendwie ziellos. Wurde hierhin und dorthin getrieben ohne eigenen Willen“
„Du warst es, der die Einsamkeit gewählt hat; du hättest mich nur rufen brauchen.
Du hast dich verändert“
„Ich weiß. Aber ich habe vergessen, wie es vorher war. Nur eines weiß ich noch. Vorher war alles klarer. Und dennoch grauer. Und du warst da“
„Die Klarheit wird wiederkehren. Jetzt kommt es darauf an, dass die Farben bleiben“
„Ich habe immer das Gefühl mich für eine entscheiden zu müssen“
„Vielleicht geht es nur darum, den Farbkreis auszurichten“
„Wie einen Kompass“
„Und du musst deinen Nordpol finden“
„An welcher Farbe soll ich mich orientieren? Wo liegt mein Nordpol?“
„Das ist deine Entscheidung. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten“
„Aber welche ist die richtige?“
„Die, die du ergreifst“
„Du hast dich kein Bisschen verändert“
„Weil du noch immer die selben Fragen stellst“
„Wieso brechen wir eigentlich grade jetzt das Schweigen?“
„Weil du schaffen wirst“
„Das wusste ich sofort, als wir anfingen wieder miteinander zu reden“
herraermel - 24. Juli, 23:24
morgen werde ich nicht mehr wissen, wann heute übermorgen gewesen sein wird.
herraermel - 12. Februar, 18:15
wenn ein buch interessant aussieht, muss es noch zwei qualifikationsrunden durchlaufen, bevor es gekauft wird: zunächst nehme ich es wiegend in die hand und streiche mit den fingern über den einband. danach überfliege ich den buchrückentext; vor allem kommentare von lesern und kritikern leisten dabei echte überzeugungsarbeit.
dieses buch schien alles zu haben. ein abenteuerlicher, prägnanter titel auf einem witzigen und passenden frontcover, ein gehaltversprechendes gewicht bei kompaktem format, an den fingerspitzen prickelnde, ausgestanzte buchstaben und auf dem buchrücken die verheißungsvolle formel: "eine geschichte, die sie an gott glauben lässt"
zugegeben eine ziemlich marktschreierische behauptung, aber ich habe sie gar nicht so wörtlich genommen und mich von der seit langem unterhaltsamsten und zauberhaftesten geschichte forttragen lassen.
am ende dieses fabelhaften romans erlebte ich einen der bewegendsten momente, die mich je beim lesen ereilt haben. nie zuvor hatte ich das gefühl gehabt, eine geschichte derartig tief und persönlich zu verstehen. ich begriff, dass die gesamte erzählung letzlich vorbereitung für diesen einen ergreifenden augenblick gewesen war.
ich kam zu einer erkenntnis. keiner erkenntnis, die mein leben für immer verändert, oder so etwas. im gegenteil. ich erlangte klarheit über eine sache, die schon immer unerkannt in mir geschlummert hatte. die erkenntnis, dass ich an gott glaube. dass ich so wie ich bin, denke und die welt sehe, gar nicht anders kann, als an gott zu glauben.
der verdammte buchrückentext hatte recht! und ich behaupte, dass dieses erlebnis jeder haben wird, der dieses buch aufstöbert, in die hand nimmt und kauft, denn der ist wie ich.
herraermel - 16. Januar, 20:11
"the piano keys are black and white
but they sound like a million colors in your mind"
- k. melua -
das möchte ich auch können. im moment gelingen mir leider erst ein paar schwammige graustufen.
ich habe mal irgendwo gelernt, grau sei die bunteste aller farben. (
lyriclove novembermorgen) und genau so fühlt es sich an: es ist alles da, nur fehlt es mir an einem filter, um einzelne nuancen diffenziert zum ausdruck zu bringen. stellen sie sich einen leidenschaftlichen und talentierten sänger vor, dessen einziges handicap darin besteht, dass er stumm ist. oder einen genialen schriftsteller, dem nie eine sprache gelehrt wurde.
aber ich geb die hoffnung nicht auf, schließlich habe ich zehn gesunde finger und ein vergleichsweise stabiles kreuz.
Ha! hat es da nicht eben ein wenig bläulich geschimmert!?
herraermel - 15. Januar, 21:02
neujahr 2007 hab ich mir angewöhnt jedem neuen jahr ein motto zu geben, dass mein handeln leiten soll. das motto 2007 habe ich leider vergessen und rückblickend lässt sich aus dem, was ich letztes jahr so getrieben habe, auch nix herleiten.
dennoch hier mein motto 2008:
In dieser irren Welt sind nur noch
die Wahnsinnigen wahrhaft verrückt
meine erste amtshandlung unter dem neuen credo wird sein, ohne unterhose vor die tür zu gehen, um mir einen neuen handy-akku zu kaufen.
herraermel - 2. Januar, 14:01
2007 war ein gutes jahr. viele veränderungen, viele neuanfänge, viel losgewordener ballast.
dass ich trotzdem so viel trauriges zeug geschrieben hab, lässt mich wieder an meiner integrität bzw. an der literatur im allgemeinen zweifeln. vielleicht bin ich mit meiner weinerlichen art schon mehr dichter als mir lieb ist. wenn sich jetzt noch das talent einstellt, bin ich auf dem besten wege an mir selbst zu zerbrechen und drüber mein meisterwerk zu schreiben.
genau da liegt übrigens der hund begraben: zur zeit geht es mir eben einfach viel zu gut, um zu schreiben.
2007 war ein gutes jahr. es gab auch eine menge zu lernen. zum beispiel wie man unter der oberfläche des ganzen trubels und des konsumwahnsinns, dessen einzige daseinsberechtigung der selbsterhaltungstrieb zu sein scheint, den geist von weihnachten findet.
aber noch ein feiertag hat mir jüngst seine bedeutung offenbart: neujahr. die große leistung dieses tages ist es, einfach nur da zu sein, damit man den ersten vollwertigen tag des jahres, dass man eben noch so lautstark und feucht-fröhlich empfangen hat, nicht komplett verschläft.
2007 war ein gutes jahr. das sagen zu können, nachdem man nie wieder froh zu werden glaubte, entlarvt unbedingtheit und ewigkeit als unterhaltsame gespinste. sich eines gefühles für immer sicher zu sein, ist eine tolle sache, die umso toller ist, wenn man sich klarmacht, dass sicherheit die einzige sache ist, die nicht gesichert werden kann.
2007 war ein gutes jahr. glückauf 2008! ich glaube an dich!
herraermel - 2. Januar, 13:45
"hör auf dein herz", hielt ich immer für ne gute idee und hab bei wirklich wichtigen fragen die vernunft zum teufel geschickt.
aber ich glaube, dass mein herz manchmal ein richtiges arschloch sein kann: total oberflächlich, wankelmütig und vorallem selbstsüchtig; ziemlich sensibel zwar, aber das geht einem ja auch schnell auf die eier.
die vernunft dagegen ist ein eher beständiger typ: verlässlich, tolerant, verständnisvoll. ein langweiler eben, der ständig den zeigefinger hebt und alles genau durchdacht hat.
irgendwie sind sie auf ihre art ja beide richtig liebenswürdig, nur wollen sie in letzter zeit immer beide die wichtigen entscheidungen treffen und das funktioniert absolut nicht.
vielleicht lass ich in zukunft einfach meinen bauch entscheiden.
und der will kuchen.
herraermel - 21. November, 18:24
gefühlsangst
die angst vor großen gefühlen ist ein gefühl, vor dem man sich fürchten sollte.
suchen und finden
dinge zu finden, weil man sie sucht, kann sehr unbefriedigend sein, wenn man befürchten muss, dass erst die suche das ding zum gesuchten ding gemacht hat.
herraermel - 18. November, 19:21
Riiiiiing. Riiiiiing. Riiiiiing. Tut.
"Panzerknacker-Kinderladen. Ärmel hier. Hallo!"
"Ja, hier ist Lose vom Krümelmonster-Kinderladen. Kann ich den Peter mal sprechen? Es geht ums Erzieherfrühstück am Donnerstag."
"Na klar! Kleinen Moment, bitte."
Viele Leute sagen, sie würden gerne das Kind in sich erhalten. Vielleicht gibt es einen perfekten Ort dafür.
herraermel - 13. November, 18:52