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1. sencha

Mittwoch, 15. Juli 2009

Die Kammer

Das Herz hämmerte ihm noch immer bis in den Hals und in den Unterleib.
Seine Augen waren scharf auf den einzigen Zugang zu seinem Versteck gerichtet; der schmale Gang führte in wenigen Metern Abstand nach rechts und so gut wie kein Licht fiel in die Kammer. Würden sie sein Versteck finden, sich durch den erdfeuchten Korridor wühlen, seine Ohren nähmen sie zuerst wahr. Aber dann wäre es ohnehin zu spät.
Irgendwo raschelte es. Nervös zuckten seine Ohren auf. Ob das Geräusch von draußen oder einem der Gänge über ihm kam, war in dieser Tiefe nicht zu unterscheiden.
Langsam gewöhnten sich seine Augen an die Dunkelheit. Der Boden war mit feuchten Schlieren übersät. In der Biegung des Korridors, wo etwas mehr Licht hingelangte, schimmerten sie rötlich und bildeten matte Reflexionen an der ihm gegenüber liegenden Wand, die Kratzspuren aufwies, wo seine Krallen sich Halt suchend ins Erdreich gebohrt hatten, als es um die Ecke gehastet war.
Jedes Haar an seinem Leib zitterte. Rücklings presste es sich in den hintersten Winkel der Kammer.
Mit jedem hektischen Atemzug seiner sich weit öffnenden Nüstern vergrößerte sich die Pfütze zu seinen Pfoten und eine metallische Witterung verbreitete sich in der feuchten, modrigen Luft. Ein rasch zunehmendes Schwindelgefühl ergriff Besitz von ihm, langsam entglitt ihm die Sicht. Entkräftet gab es seinen zitternden Gliedern nach und ließ sich nieder in die warme Pfütze und wartete auf sie.
Ein Röcheln hallte durch die Korridore. Doch es klang nicht bedrohlich. Eher tief traurig.

Mittwoch, 8. Juli 2009

Schuhwechsel

Neulich war ich im Schuhgeschäft. Nachdem ich mir in den letzten Jahren immer wieder das gleiche klassische Modell angeschafft hatte, sollte es nun etwas anderes sein. Etwas Leichtes, Unkompliziertes zum Reinschlüpfen.
Die Entscheidung war schnell getroffen, der Schuh gekauft. Doch schon als ich mich das erste Mal damit auf offener Straße präsentieren wollte, stellte ich fest, dass der linke Schuh unangenehm drückte - ich hatte im Laden nur den rechten probiert. Ich haderte einige Tage mit mir, ob ich meinen Kauf reklamieren sollte, doch fürchtete ich, keinen Ersatz zu finden, da es lange gedauert hatte überhaupt ein Paar zu finden, das mir zusagte. Und so trug ich die neuen Schuhe eine Zeit lang immer nur für wenige Stunden, sodass sie sich meinen Füßen allmählich anpassten.
Mittlerweile drückt mir der Schuh nicht mehr, allerdings musste ich feststellen, dass sein Material für diese Jahreszeit völlig ungeeignet ist und er mir regelmäßig Schweißausbrüche beschert.

Mittwoch, 28. Januar 2009

Tauwetter

Neulich hatte ich Tauwetter. Was lange unter einer dicken Schneeschicht verborgen war, kam wieder zum Vorschein. Eigentlich vertraut und doch anders. Dort, wo nicht gestreut wurde, wirken die Straßen nun sauber und frisch vom Eiswasser, sonst so unscheinbare Nadelbäume heben sich ab von den Laubbäumen, die nun ihre letzten Blätter mit dem Schnee abgeschüttelt haben, Eichhörnchen trauen sich aus ihren Verstecken. Der Blick schärft sich für Dinge, die im frühlingshaften Grün oder herbstlichen Bunt verborgen bleiben mussten.
Doch nicht alles ist frei. Dort, wo das Eis besonders fest und dick war, liegt noch immer einiges verborgen. Man geht dort besonders unsicher.

Freitag, 7. November 2008

Pans Reise

Es war einmal Pan. Pan besaß nichts außer seiner Flöte, einem schlafenden Birkenspross aus einem früheren Leben und einem gebrochenen Herzen. Und Pan fand sich in einer ihm fremden Welt wieder. Denn seit Pans Herz gebrochen war, gab es keine Pflanzen und Tiere mehr. Und Pan machte sich auf den Weg.
Er wanderte über weite trockene Ebenen und nach einer Zeit traf Pan eine schöne Magd, die unglücklich auf einem Stein saß. Und Pan wollte sie mit einem Lied auf der Flöte aufmuntern, wie er es früher getan hätte. Doch er brachte keinen Klang zu Stande. Denn seit Pans Herz gebrochen war, gab es keine Musik mehr. Und Pan machte sich auf den Weg.
Er durchquerte Wüsten aus Stein und Sand und nach einer Zeit traf Pan einen Jüngling, der antriebslos vor sich hin starrte. Und Pan wollte mit dem Jüngling zum Himmel aufschauen, wie er es früher getan hätte. Doch es war nichts zu sehen. Denn seit Pans Herz gebrochen war, gab es keinen Himmel mehr. Und Pan machte sich auf den Weg.
Er passierte Berge und Täler und nach einer Zeit traf Pan eine regungslose Alte auf einer Anhöhe. Und Pan wollte mit ihr den Wind atmen, wie er es früher getan hätte. Doch er konnte nichts spüren. Denn seit Pans Herz gebrochen war, gab es keinen Wind mehr. Und Pan machte sich auf den Weg.
Und solange Pan durch die Einöde wanderte, zeigte sich ihm nichts von dem, was ihm aus seinem früheren Leben als lieb und teuer in Erinnerung geblieben war.
Schließlich gelangte Pan an einen großen und runden See, der tiefer war als Pan sich vorzustellen vermochte. Die Oberfläche des Sees war vollkommen ruhig, denn es gab keinen Wind, seine Ufer waren vollkommen kahl, denn es gab keine Pflanzen und Tiere, und er war tiefschwarz. Als Pan in den See blickte, entdeckte er zunächst nichts. Doch bald konnte Pan in der Mitte des Sees, wie in unermesslicher Tiefe einen winzigen leuchtenden Punkt ausmachen. Pan wählte das Ufer des Sees für seine Rast.
Pan ruhte lange und immer wieder zog es seine Blicke zu dem winzigen leuchtenden Punkt in der Tiefe des Sees. Und alsbald stellte Pan fest, dass sich die Leuchtkraft des Punktes zu mehren schien. Und zunehmend schenkte Pan seine ganze Aufmerksamkeit dem See und dem leuchtenden Punkt, die Öde um ihn vergessend.
Und dann wurde Pan eines zweiten ungleich schwächer leuchtenden Punktes in einigem Abstand zum ersten aber in scheinbar ebenso undeutbarer Tiefe gewahr. Im Laufe der Zeit gesellten sich immer mehr dieser leuchtenden Punkte zu dem ersten, in regellosen Abständen die fantastischsten Muster bildend. Und obgleich allen dieses geheimnisvolle Leuchten aus der Tiefe gemein war, leuchte für Pan doch keiner so hell und verführerisch wie der Erste.
Und in sehnsüchtiger Spannung näherte Pan sich dem See. Pan schloss die Augen, stützte sich mit den Händen am Ufer und senkte den Kopf bis er mit dem Gesicht die Oberfläche des Sees passierte. Behutsam ließ Pan den Rest seines Körpers folgen, richtete sich auf und öffnete die Augen. Und Pan fand sich unter dem Sternenhimmel inmitten eines Waldes wieder. Und vom Himmel fiel Pans leuchtender Stern und hinterließ ein faustgroßes Loch, dem ein silbriges Glänzen entsprang. Und Pan pflanzte seinen schlafenden Birkenspross in seines Sternes Bett. Und als Pans Spross erwachte, erklang die Musik des Waldes. In den Blättern raschelte der Wind und die Bäche plätscherten und die Vögel sangen.
Und Pans Herz war genesen.

Mittwoch, 31. Oktober 2007

Vom Pan und vom Baum

Es war einmal ein Pan. Der Pan war der Herr des Waldes und der Schützer aller Tiere und Pflanzen. Der Wald war voll von stolzen, hoch gewachsenen Bäumen, üppigen Sträuchern und Gräsern und flinken kleinen Nagetierchen und Rehen. Sie alle liebte und hegte der Pan. Aber einen Baum hegte und liebte der Pan ganz besonders. Es war der stolzeste und größte und älteste Baum des Waldes.
Wenn der Pan seinen morgendlichen Weg durch den Wald ging, so pflegte er am längsten bei dem stolzen und großen und alten Baum zu verweilen, um nach dem Rechten zu sehen. Und wenn der Pan nach einem stillen, schattigen Plätzchen suchte, um zu ruhen und dem Wald ein Lied auf der Flöte zu spielen, so entschied er sich meist für ein Lager zwischen den weit herausragenden Wurzeln des stolzen, großen und alten Baums und er spielte sein Lied mehr für den Baum als für den Rest des Waldes. Der Baum war Pans Baum.
Wurde es Herbst, so ließ Pan seinem Baum die Blätter länger als all den anderen Bäumen und Pan liebte es, seinen Baum mit der roten Krone zu sehen, die sich so sehr von dessen weißer Rinde abhob.
Wurde es Winter, so verstreute Pan stets zuerst um seinen Baum Reisig, um ihn vor der Kälte zu schützen, und Pan streichelte sacht seines Baumes Rinde.
Die anderen Pflanzen und Tiere waren nicht etwa eifersüchtig auf Pans Baum oder beargwöhnten ihre eigene Benachteiligung. Alle Pflanzen und Tiere wussten um die besondere Beziehung vom Pan und vom Baum. Und es war gut, wie es war.
Eines Frühlings, als der Pan seinen morgendlichen Weg durch den Wald ging, bemerkte er eine Veränderung. Die Musik des Waldes schien Pan gedämpfter und trauervoller als üblich, die Tiere schienen Pan weniger agil als üblich, die Frühlingsbrise schien Pan steifer als üblich und die Wasser und der Himmel schienen Pan weniger klar als üblich.
Einige der jüngeren Bäume waren von einer dem Pan unbekannten Krankheit befallen, die ihre Blätter faulen, ihre Rinde bröckeln und ihr Harz entweichen ließ. Pan behandelte die Bäume mit Wickeln und Kräutersuden und machte auch von der heilsamen Wirkung seiner Flötenmusik gebrauch, doch je mehr kranke Bäume Pan entdeckte, desto unkonzentrierter wurde er bei seinem Werk. Pan sorgte sich um seinen Baum.
Pan wollte sich Gewissheit verschaffen, dass sein Baum unversehrt sei, bevor er sich weiter um die jungen, kranken Bäume kümmern würde, und so suchte Pan seinen Baum auf dem schnellsten Wege auf. Und Pans Baum, der stolzeste, größte und älteste von allen, war unversehrt.
Im Laufe des Frühlings erkrankten immer mehr Bäume, auch stolzere und größere und ältere. Und auch vor den Tieren hielt die seltsame Krankheit nicht. Und obwohl Pan voll in Anspruch genommen war, die Bäume und Tiere zu versorgen, sah er oft nach seinem Baum und verweilte zunehmend länger zwischen dessen mächtigen Wurzeln, aus Angst, sein Baum könnte in Pans Abwesenheit erkranken.
Und die anderen Pflanzen und Tiere, die Pans Hilfe so dringend benötigten, klagten nicht etwa. Denn alle Pflanzen und Tiere wussten um die besondere Beziehung vom Pan und vom Baum. Und es war gut, wie es war.
Als im Wald die Vögel aufhörten zu singen und die Bäche aufhörten zu plätschern und die Blätter aufhörten zu rascheln, wich Pan nicht mehr von seines Baumes Seite. Pan spielte sein Lied für den Baum und Pan streichelte seines Baumes Rinde, denn die Krankheit näherte sich Pans Baum, dem Mittelpunkt des Waldes, von allen Seiten und Pan wollte keine schutzlose Sekunde für seinen Baum riskieren, wenn er den anderen Pflanzen und Tieren zu Hilfe käme.
Und die Pflanzen und Tiere des Waldes kündeten nicht etwa laut von ihrem Leid und ihrer Hilflosigkeit. Denn alle Pflanzen und Tiere des Waldes wussten um die besondere Beziehung vom Pan und vom Baum. Und es war gut, wie es war.
Als Pans Baum das letzte gesunde Geschöpf des Waldes war, als die letzten Pflanzen und Tiere des Waldes zugrunde gingen, weinte der Pan, das Gesicht an seines Baumes weißer Rinde gepresst, denn er wusste, dass sein Baum sterben musste.
Doch Pans Baum starb nicht an der seltsamen Krankheit des Waldes. Dafür war er zu stolz und zu groß und zu alt. Pans Baum starb, weil er das Herz des Waldes war. Und ein Herz kann ohne das Leben, dem es schlägt, nicht existieren.
Als Pans Tränen langsam seines Baumes Rinde hinab rannen, flüsterte der Baum ihm ein leises Lebewohl. Und es war nicht nur das Lebewohl von Pans Baum. Es war das Lebewohl von Pans Wald, den er mehr als alles andere geliebt hatte.

Freitag, 5. Oktober 2007

Jeanny

Die Ballerinas wirkten sportlich, aber nicht weniger elegant; ihr schwarzes Kunstleder bildete einen reizenden Kontrast zu der hellen Haut der zierlichen Füße, die sie schmückten. Die langen, nackten Beine waren makellos glatt, der Wadenmuskel, kaum als solcher zu erkennen, war formschön und dünn, ohne der Gesamterscheinung jenen störenden Beigeschmack der Dürrheit zu geben. Über den kaum hervorstehenden Knien ließ ein kurzer Minirock den Blick auf gerade so viel Oberschenkel frei, dass rein rechtlich kein Anstoß zu erheben war.
Ein knappes einfarbiges Top ergab, obwohl bauchfrei und das obligatorische Nabelpiercing entblößend, eine stilvolle Kombination mit dem schicken taillierten Blazer. Das lange, erstaunlich volle und glatte Haar hing zu einem lockeren Zopf gebunden über der linken Schulter und wirkte trotz der verschiedenfarbigen Strähnchen sehr natürlich.
Das feine hellhäutige Gesicht mit den strahlenden haselnussbraunen Augen war natürlich-schön, obgleich die dezent und gekonnt aufgetragene Schminke seinen Reiz noch erhöhte. Die zarten Ohren zierten ausladende Kreolen, die wie etwas zu essen klingen, dachte ich, weil ich das immer dachte, wenn ich Kreolen sah. Die winzige schwarze Handtasche, die, wie ich wusste, Lucky Strikes und ein kleines Bic-Feuerzeug beherbergte, hing nun wieder eng über der rechten Schulter. Der Zigarettenrauch kroch spielerisch zwischen den rötlichen Lippen hervor.
Das Mädchen mochte vierzehn sein, vielleicht aber auch erst zwölf.
Es ist ein glücklicher Umstand der Natur, dass das Bedürfnis sich zu übergeben und das Bedürfnis zu weinen nicht gleichzeitig zu ihrem Recht kommen können und so das eine das andere am Ausbruch hindert. Ich überlegte, das Mädchen fürsorglich in meine Jacke zu wickeln, um es vor der Kälte und den Blicken zu schützen, aber mir fiel ein, dass vermutlich ihre Mutter oder ihr Vater längst auf dem Weg zu ihr war, um das zu tun.
Hätte sie dort einen Platz, ich würde sie in Gedanken Jeanny nennen, dachte ich. Aber wenn ich ihnen dort einen Platz schenken würde, gäbe es bald zu viele Jeannys in meinen Gedanken, als dass ich sie auseinanderzuhalten imstande wäre, dachte ich.
Was blieb, war nur eine leichte Trauer als Hinweis darauf, dass der Brechreiz am Ende doch verloren hatte.

Mittwoch, 19. September 2007

Eines andern Federn

Neulich habe ich mir den Federschmuck von einem guten Freund ausgeliehen. Seit ich vor etwa einem Jahr so verschwenderisch mit einer seiner ach so gehegten Meinungen umgegangen war, ist unser Verhältnis zwar leicht gespannt, aber da er auf eine Dienstreise mit strengen Kleidungsvorschriften geschickt wurde und außerdem so ein Federschmuck ja auch gepflegt sein will, trug er mir vertrauensvoll die verantwortungsvolle Aufgabe der Verwahrung desselben auf.
Selbstverständlich probierte ich den Schmuck sofort zu Hause vor dem Spiegel aus – und gefiel mir ausgesprochen gut damit: selbstbewusst, stilvoll, etwas verwegen aber durchaus kultiviert und weltgewandt. Es wurde zu einer Art Manie von mir, den Federschmuck zu tragen, wann immer ich allein zu Hause war. Beim Fernsehen konnte ich manchmal mein schemenhaftes Spiegelbild auf der Mattscheibe erkennen und positionierte mich dann so im Sessel, dass der Federschmuck möglichst gut zur Geltung kam.
Mit der Zeit wurde ich wagemutiger und präsentierte den Federschmuck beim Einkaufen oder auf dem Weg zur Arbeit anonym der Öffentlichkeit und studierte gierig die Reaktionen der Leute auf der Straße oder in der U-Bahn.
Gestern dann erschien ich wie selbstverständlich mit dem Federschmuck bei einer Feier vor meinen Freunden und Bekannten und genoss die große Aufmerksamkeit, während ich mich gleichzeitig seltsam schämte.
Heute Morgen überreichte ich meinem Freund pflichtbewusst, wenn auch innerlich schwermütig sein geliebtes Kleinod; er atmete hörbar auf, als er nach dieser langen Zeit aus seinem Zweireiher schlüpfen und seinen Federschmuck anlegen konnte.
Zwischen meinem Freund und mir ist jetzt wieder alles in Ordnung – ich frage mich nur, wann er merkt, dass einige der Federn leicht abgeknickt sind und die Farben auch nicht mehr ganz so leuchten wie früher.

Sonntag, 16. September 2007

Problem outsourced

Neulich brannte mir etwas unter Nägeln. Ich dachte mir erst nichts dabei, doch aus dem anfänglichen unangenehmen Kribbeln wurde zunehmend ein kaum erträglicher Schmerz. Als die Sache dann zu eitern begonnen hatte, besorgte ich mir eine frei verkäufliche Salbe aus der Apotheke, die zwar genau gegen diesen Brand zu wirken geeignet zu sein versprach - dies jedoch nur bei rechtzeitiger Anwendung. Entmachtet entschied ich das Problem operativ lösen zu lassen. Zwei renommierte Ärzte und drei eilfertige Krankenschwestern nahmen sich meines Leidens an, während ich mich der Vollnarkose wegen zur Untätigkeit genötigt sah.
Mittlerweile bin ich vollkommen wiederhergestellt. Gut, dass man sich bei solcherlei Problemen immer noch auf die Kompetenz fähiger Fachkräfte verlassen kann.

Donnerstag, 23. August 2007

Das Wort

Von ihren Lippen geformt und von ihrer Zunge geschliffen schnitt es ihm, einer Klinge gleich, mühelos in die Brust. Oberflächlich betrachtet war es harmlos und unbedeutend und nur sie hätte es als Waffe benutzen können.
Sie bereute es noch im selben Augenblick.
Es war nicht ihre Absicht gewesen, ihn so unvorbereitet und
wehrlos damit zu erwischen; es war ihr in einem kurzen Moment der Unbedachtsamkeit entglitten. Nun war es zu spät. Sie hatte ihm damit einen tiefen Schnitt zugefügt; trotzdem zeigte er keine äußeren Anzeichen irgendeiner Verletzung, - solche Wunden bluteten nicht. Und doch wusste sie, welchen Schmerz er empfand. Sein Mund bebte kaum merklich, seine Augen blickten ihr starr ins Gesicht.
Niemand sagte etwas.
Es hatte angefangen zu nieseln. Unzählige, winzige Wassertröpfchen spritzten an die Scheibe und setzten sich dort in sturer Verbissenheit fest. Nur dort, wo zufällig zwei von ihnen den selben Platz für ihre lange Rast gewählt hatten, verschmolzen sie zu einem größeren Tropfen und flossen verzweifelt miteinander ringend die Scheibe herunter und verschwanden spurlos.
Sie wünschte sich innig, irgendetwas sagen oder tun zu können, um ihn zu trösten, aber nichts hätte jetzt seinen Schmerz zu lindern vermocht. Es hatte sein Herz getroffen.
Er rührte sich nicht und sagte auch nichts. Sie wusste, solche Wunden bluteten nicht; aber sie hinterließen Narben. Narben, die nie ganz verheilen würden. Narben, die noch nach Jahren Erinnerungen wach riefen, die einem die Kehle zuschnüren konnten. Sie erinnerten einen nicht jeden Tag und auch nicht jede Woche; aber sie erinnerten einen immer dann, wenn man es am wenigsten erwartete, wenn man unvorbereitet und schutzlos war. - Es würde nie mehr so wie früher werden.
Erst als die Träne, die erst unsicher über ihre geröteten Wangenknochen gewandert war, endlich von ihren weichen, blassen Lippen aufgenommen wurde, die die mächtige Waffe erst geschaffen hatten, kam er ihr mit einem behutsamen Schritt entgegen, um sie in seine Arme zu schließen. In diesem Moment verwandelte sich der Niesel in einen starken Regen, der noch lange anhalten sollte.
Das Wort hallte in ihren Ohren noch lange Zeit wider, immer leiser, und würde doch nie ganz verstummen.

Donnerstag, 16. August 2007

Berührung vom anderen Ufer

Neulich bin ich berührt worden. Ganz sanft, behutsam und trotzdem hätte es mich fast umgehauen. Die Berührung hatte etwas ganz Persönliches, Vertrautes obwohl ich sah, dass an diesem Tag noch einige andere in der Nähe genauso berührt wurden. Dennoch schien das Erlebnis für jeden von uns von besonderer, individueller Bedeutung.
Ich musste in der nächsten Zeit oft an diesen Augenblick zurückdenken und konnte das besondere Gefühl doch nie ganz zurückrufen. Aber selbst die schattenhafte Erinnerung dessen war noch von außerordentlicher Kraft und Fülle.
Gestern dann habe ich erfahren, dass es ein Mann gewesen war, der mich so bedeutungsvoll berührt hatte. Ich schämte mich natürlich sehr und wollte mir meine Schwäche nicht eingestehen, aber es war schon zu spät – jeder wusste, wie bewegt ich auf die Berührung reagiert hatte.
Mittlerweile stehe ich zu der Sache. Ich meine hey! es war wirklich nicht so übel - ich meine, wenn man vorher nicht weiß, worauf man sich einlässt - und warum sollte man nicht mal was Neues ausprobieren? Es war doch eine einmalige Sache und es bedeutet gar nichts, ihr verbohrten Kleinbürger! Ich bin schließlich immer noch der Selbe!

grüner tee

die spinne in der suppe des guten geschmacks. Broccoli-Creme-Suppe, falls es jemanden interessiert.

grüner tee mit zitrone

"Die großen Leute verstehen nie etwas von selbst, und für die Kinder ist es zu anstrengend, ihnen immer und immer wieder erklären zu müssen." -Antoine de Saint-Exupéry-

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