Jeanny
Die Ballerinas wirkten sportlich, aber nicht weniger elegant; ihr schwarzes Kunstleder bildete einen reizenden Kontrast zu der hellen Haut der zierlichen Füße, die sie schmückten. Die langen, nackten Beine waren makellos glatt, der Wadenmuskel, kaum also solcher zu erkennen, war formschön und dünn, ohne der Gesamterscheinung jenen störenden Beigeschmack der Dürrheit zu geben. Über den kaum hervorstehenden Knien ließ ein kurzer Minirock den Blick auf gerade so viel Oberschenkel frei, dass rein rechtlich kein Anstoß zu erheben war.
Ein knappes einfarbiges Top ergab, obwohl bauchfrei und das obligatorische Nabelpiercing entblößend, eine stilvolle Kombination mit dem schicken taillierten Blazer. Das lange, erstaunlich volle und glatte Haar hing zu einem lockeren Zopf gebunden über der linken Schulter und wirkte trotz der verschiedenfarbigen Strähnchen sehr natürlich.
Das feine hellhäutige Gesicht mit den strahlenden haselnussbraunen Augen war natürlich-schön, obgleich die dezent und gekonnt aufgetragene Schminke seinen Reiz noch erhöhte. Die zarten Ohren zierten ausladende Kreolen, die wie etwas zu essen klingen, dachte ich, weil ich das immer dachte, wenn ich Kreolen sah. Die winzige schwarze Handtasche, die, wie ich wusste, Lucky Strikes und ein kleines Bic-Feuerzeug beherbergte, hing nun wieder eng über der rechten Schulter. Der Zigarettenrauch kroch spielerisch zwischen den rötlichen Lippen hervor.
Das Mädchen mochte vierzehn sein, vielleicht aber auch erst zwölf.
Es ist ein glücklicher Umstand der Natur, dass das Bedürfnis sich zu übergeben und das Bedürfnis zu weinen nicht gleichzeitig zu ihrem Recht kommen können und so das eine das andere am Ausbruch hindert. Ich überlegte, das Mädchen fürsorglich in mein Liegehandtuch zu wickeln, um es vor der Kälte und den Blicken zu schützen, aber mir fiel ein, dass vermutlich ihre Mutter oder ihr Vater längst auf dem Weg zu ihr war, um das zu tun.
Hätte sie dort einen Platz, ich würde sie in Gedanken Jeanny nennen, dachte ich. Aber wenn ich ihnen dort einen Platz schenken würde, gäbe es bald zu viele Jeannys in meinen Gedanken, als dass ich sie auseinanderzuhalten imstande wäre, dachte ich.
Was blieb, war nur eine leichte Trauer als Hinweis darauf, dass der Brechreiz am Ende doch verloren hatte.
Ein knappes einfarbiges Top ergab, obwohl bauchfrei und das obligatorische Nabelpiercing entblößend, eine stilvolle Kombination mit dem schicken taillierten Blazer. Das lange, erstaunlich volle und glatte Haar hing zu einem lockeren Zopf gebunden über der linken Schulter und wirkte trotz der verschiedenfarbigen Strähnchen sehr natürlich.
Das feine hellhäutige Gesicht mit den strahlenden haselnussbraunen Augen war natürlich-schön, obgleich die dezent und gekonnt aufgetragene Schminke seinen Reiz noch erhöhte. Die zarten Ohren zierten ausladende Kreolen, die wie etwas zu essen klingen, dachte ich, weil ich das immer dachte, wenn ich Kreolen sah. Die winzige schwarze Handtasche, die, wie ich wusste, Lucky Strikes und ein kleines Bic-Feuerzeug beherbergte, hing nun wieder eng über der rechten Schulter. Der Zigarettenrauch kroch spielerisch zwischen den rötlichen Lippen hervor.
Das Mädchen mochte vierzehn sein, vielleicht aber auch erst zwölf.
Es ist ein glücklicher Umstand der Natur, dass das Bedürfnis sich zu übergeben und das Bedürfnis zu weinen nicht gleichzeitig zu ihrem Recht kommen können und so das eine das andere am Ausbruch hindert. Ich überlegte, das Mädchen fürsorglich in mein Liegehandtuch zu wickeln, um es vor der Kälte und den Blicken zu schützen, aber mir fiel ein, dass vermutlich ihre Mutter oder ihr Vater längst auf dem Weg zu ihr war, um das zu tun.
Hätte sie dort einen Platz, ich würde sie in Gedanken Jeanny nennen, dachte ich. Aber wenn ich ihnen dort einen Platz schenken würde, gäbe es bald zu viele Jeannys in meinen Gedanken, als dass ich sie auseinanderzuhalten imstande wäre, dachte ich.
Was blieb, war nur eine leichte Trauer als Hinweis darauf, dass der Brechreiz am Ende doch verloren hatte.
herraermel - 5. Oktober, 19:22
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