Mittwoch, 19. September 2007

Eines andern Federn

Neulich habe ich mir den Federschmuck von einem guten Freund ausgeliehen. Seit ich vor etwa einem Jahr so verschwenderisch mit einer seiner ach so gehegten Meinungen umgegangen war, ist unser Verhältnis zwar leicht gespannt, aber da er auf eine Dienstreise mit strengen Kleidungsvorschriften geschickt wurde und außerdem so ein Federschmuck ja auch gepflegt sein will, trug er mir vertrauensvoll die verantwortungsvolle Aufgabe der Verwahrung desselben auf.
Selbstverständlich probierte ich den Schmuck sofort zu Hause vor dem Spiegel aus – und gefiel mir ausgesprochen gut damit: selbstbewusst, stilvoll, etwas verwegen aber durchaus kultiviert und weltgewandt. Es wurde zu einer Art Manie von mir, den Federschmuck zu tragen, wann immer ich allein zu Hause war. Beim Fernsehen konnte ich manchmal mein schemenhaftes Spiegelbild auf der Mattscheibe erkennen und positionierte mich dann so im Sessel, dass der Federschmuck möglichst gut zur Geltung kam.
Mit der Zeit wurde ich wagemutiger und präsentierte den Federschmuck beim Einkaufen oder auf dem Weg zur Arbeit anonym der Öffentlichkeit und studierte gierig die Reaktionen der Leute auf der Straße oder in der U-Bahn.
Gestern dann erschien ich wie selbstverständlich mit dem Federschmuck bei einer Feier vor meinen Freunden und Bekannten und genoss die große Aufmerksamkeit, während ich mich gleichzeitig seltsam schämte.
Heute Morgen überreichte ich meinem Freund pflichtbewusst, wenn auch innerlich schwermütig sein geliebtes Kleinod; er atmete hörbar auf, als er nach dieser langen Zeit aus seinem Zweireiher schlüpfen und seinen Federschmuck anlegen konnte.
Zwischen meinem Freund und mir ist jetzt wieder alles in Ordnung – ich frage mich nur, wann er merkt, dass einige der Federn leicht abgeknickt sind und die Farben auch nicht mehr ganz so leuchten wie früher.

Trackback URL:
http://greentea.twoday.net/stories/4271688/modTrackback

grüner tee

die spinne in der suppe des guten geschmacks

grüner tee mit zitrone

"Die großen Leute verstehen nie etwas von selbst, und für die Kinder ist es zu anstrengend, ihnen immer und immer wieder erklären zu müssen." -Antoine de Saint-Exupéry-

aktuelle beiträge

Ohneinohneinohnein, hatte...
Ohneinohneinohnein, hatte schon fast den Koffer für...
Stephie (anonym) - 16. August, 12:11
siehst du, da liegt ja...
siehst du, da liegt ja der hund begraben. ich dachte...
herraermel - 14. August, 13:13
Fragmente
seismik dass man glücklich ist, erkennt man daran,...
herraermel - 14. August, 12:56
Lieber Herr Ärmel,...
Lieber Herr Ärmel, hätte ja nicht gedacht,...
Stephie (anonym) - 11. August, 23:50
Lange weg gewesen
„Weißt du, es sind die Gespräche mit...
herraermel - 24. Juli, 23:27

status

Online seit 434 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 16. August, 12:11

eingetragen bei

Blogverzeichnis Deutsches Blog Verzeichnis Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de

credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur für neue Medien

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this page (with comments)

twoday.net AGB

für rechtsversteher

Alle Texte, die du hier findest, stammen - soweit nicht anders angegeben - von mir (herraermel). Wenn du sie weiterverwenden willst, wär es nett, wenn du mich als Urheber angeben und informieren würdest - man hat ja seinen Stolz.

1. sencha
2. bancha
3. gyokuro
4. schwarzer tee
5. warme milch mit honig
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren