Das Wort
Von ihren Lippen geformt und von ihrer Zunge geschliffen schnitt es ihm, einer Klinge gleich, mühelos in die Brust. Oberflächlich betrachtet war es harmlos und unbedeutend und nur sie hätte es als Waffe benutzen können.
Sie bereute es noch im selben Augenblick.
Es war nicht ihre Absicht gewesen, ihn so unvorbereitet und
wehrlos damit zu erwischen; es war ihr in einem kurzen Moment der Unbedachtsamkeit entglitten. Nun war es zu spät. Sie hatte ihm damit einen tiefen Schnitt zugefügt; trotzdem zeigte er keine äußeren Anzeichen irgendeiner Verletzung, - solche Wunden bluteten nicht. Und doch wusste sie, welchen Schmerz er empfand. Sein Mund bebte kaum merklich, seine Augen blickten ihr starr ins Gesicht.
Niemand sagte etwas.
Es hatte angefangen zu nieseln. Unzählige, winzige Wassertröpfchen spritzten an die Scheibe und setzten sich dort in sturer Verbissenheit fest. Nur dort, wo zufällig zwei von ihnen den selben Platz für ihre lange Rast gewählt hatten, verschmolzen sie zu einem größeren Tropfen und flossen verzweifelt miteinander ringend die Scheibe herunter und verschwanden spurlos.
Sie wünschte sich innig, irgendetwas sagen oder tun zu können, um ihn zu trösten, aber nichts hätte jetzt seinen Schmerz zu lindern vermocht. Es hatte sein Herz getroffen.
Er rührte sich nicht und sagte auch nichts. Sie wusste, solche Wunden bluteten nicht; aber sie hinterließen Narben. Narben, die nie ganz verheilen würden. Narben, die noch nach Jahren Erinnerungen wach riefen, die einem die Kehle zuschnüren konnten. Sie erinnerten einen nicht jeden Tag und auch nicht jede Woche; aber sie erinnerten einen immer dann, wenn man es am wenigsten erwartete, wenn man unvorbereitet und schutzlos war. - Es würde nie mehr so wie früher werden.
Erst als die Träne, die erst unsicher über ihre geröteten Wangenknochen gewandert war, endlich von ihren weichen, blassen Lippen aufgenommen wurde, die die mächtige Waffe erst geschaffen hatten, kam er ihr mit einem behutsamen Schritt entgegen, um sie in seine Arme zu schließen. In diesem Moment verwandelte sich der Niesel in einen starken Regen, der noch lange anhalten sollte.
Das Wort hallte in ihren Ohren noch lange Zeit wider, immer leiser, und würde doch nie ganz verstummen.
Sie bereute es noch im selben Augenblick.
Es war nicht ihre Absicht gewesen, ihn so unvorbereitet und
wehrlos damit zu erwischen; es war ihr in einem kurzen Moment der Unbedachtsamkeit entglitten. Nun war es zu spät. Sie hatte ihm damit einen tiefen Schnitt zugefügt; trotzdem zeigte er keine äußeren Anzeichen irgendeiner Verletzung, - solche Wunden bluteten nicht. Und doch wusste sie, welchen Schmerz er empfand. Sein Mund bebte kaum merklich, seine Augen blickten ihr starr ins Gesicht.
Niemand sagte etwas.
Es hatte angefangen zu nieseln. Unzählige, winzige Wassertröpfchen spritzten an die Scheibe und setzten sich dort in sturer Verbissenheit fest. Nur dort, wo zufällig zwei von ihnen den selben Platz für ihre lange Rast gewählt hatten, verschmolzen sie zu einem größeren Tropfen und flossen verzweifelt miteinander ringend die Scheibe herunter und verschwanden spurlos.
Sie wünschte sich innig, irgendetwas sagen oder tun zu können, um ihn zu trösten, aber nichts hätte jetzt seinen Schmerz zu lindern vermocht. Es hatte sein Herz getroffen.
Er rührte sich nicht und sagte auch nichts. Sie wusste, solche Wunden bluteten nicht; aber sie hinterließen Narben. Narben, die nie ganz verheilen würden. Narben, die noch nach Jahren Erinnerungen wach riefen, die einem die Kehle zuschnüren konnten. Sie erinnerten einen nicht jeden Tag und auch nicht jede Woche; aber sie erinnerten einen immer dann, wenn man es am wenigsten erwartete, wenn man unvorbereitet und schutzlos war. - Es würde nie mehr so wie früher werden.
Erst als die Träne, die erst unsicher über ihre geröteten Wangenknochen gewandert war, endlich von ihren weichen, blassen Lippen aufgenommen wurde, die die mächtige Waffe erst geschaffen hatten, kam er ihr mit einem behutsamen Schritt entgegen, um sie in seine Arme zu schließen. In diesem Moment verwandelte sich der Niesel in einen starken Regen, der noch lange anhalten sollte.
Das Wort hallte in ihren Ohren noch lange Zeit wider, immer leiser, und würde doch nie ganz verstummen.
herraermel - 23. August, 23:04
2 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
lylo - 24. August, 10:30
ach ja
worte zählen zu den schlimmsten waffen, die gott den menschen gegeben hat.
du bringst die stimmung sehr gut rüber. diesen augenblick, wo man sich am liebsten wieder alles gesagte zurück in den mund stopfen wollte.
lg von der lylo
du bringst die stimmung sehr gut rüber. diesen augenblick, wo man sich am liebsten wieder alles gesagte zurück in den mund stopfen wollte.
lg von der lylo
herraermel - 26. August, 20:13
danke.
das miese an diesen waffen ist ja, das sie selten vorsätzlich so schlimm treffen - die reinste landminenplage.
fragt sich, wer die verantwortung für den schaden trägt. der, der die waffen zugänglich macht oder der, der sie (vielleicht unwissend) benutzt.
in der hoffnung, das wörter wieder öfter als seelenbalsam, hoffnungspender und aufklärer verwendet werden
herraermel
das miese an diesen waffen ist ja, das sie selten vorsätzlich so schlimm treffen - die reinste landminenplage.
fragt sich, wer die verantwortung für den schaden trägt. der, der die waffen zugänglich macht oder der, der sie (vielleicht unwissend) benutzt.
in der hoffnung, das wörter wieder öfter als seelenbalsam, hoffnungspender und aufklärer verwendet werden
herraermel


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