Freitag, 15. Juni 2007

Die Fassade

Neulich bin ich an einer wunderschönen Fassade vorbeigelaufen
– prächtige Stuckarbeiten, schmiedeeiserne Balkonbrüstungen mit Efeu und Rosen umwachsen, ein imposantes, hölzernes Portal und über und über bedeckt mit kunstvollen Malereien. Meine Neugier war geweckt.
Rein zufällig hatte ich in der Folgezeit öfter in dieser Gegend zu tun und so ließen sich weitere Begegnungen mit der traumhaften Fassade beim besten Willen nicht vermeiden. Langsam bekam ich das Gefühl, sie in- und auswendig zu kennen. Wenn ich sie auf meinen Spaziergängen passierte, so kam ich ihr dabei jedes Mal etwas näher und verlangsamte mein Tempo jedes Mal – bis ich gestern dann kurz entschlossen vor dem Portal stehen blieb, ehrfürchtig die Hand ausstreckte, den rauen fein gemaserten Knauf ergriff – und beherzt den linken Flügel aufstieß.
Das Haus mit der schönen Fassade war innen fast leer; einige wenige uralte Einrichtungsgegenstände, die man nicht einmal antik hätte nennen können, schienen willkürlich in den Räumen verteilt, abgenutzt und verstaubt. Eine baufällige morsche Holztreppe führte in den ersten Stock, wo schon der Putz von der Decke rieselte.
Enttäuscht ging ich heim.
Zuhause fühl’ ich mich wohl. Mein Wohnhaus macht von außen nicht viel her, aber innen ist es gemütlich, vertraut, etwas schlicht vielleicht, wenn man den richtigen Maßstab ansetzt, aber ich möchte nirgendwo sonst wohnen.
Die schöne Fassade ist nur eine peinliche Erinnerung. Sollen sich doch alle die Hälse nach ihr verdrehen. Ich weiß was dahinter steckt.
Und dass jede Fassade früher oder später zu bröckeln beginnt.

In den Sinn

...kamen mir jetzt jene unheilschwangeren Zeilen Udo Lindenbergs:


Den Fernseher, den ich eingetreten hab,
den hat die Versicherung voll bezahlt.
Die Wohnung sieht jetzt anders aus,
nichts erinnert mehr an dich,
ich hab alles knallbunt angemalt.
Wenn ich manchmal nachts nicht schlafen kann,
geh ich in die Kneipe und sauf mir einen an.
Du sagst, da wär ne Trauer in meinem Gesicht,
was für ein Quatsch, das ist doch nur das Kneipenlicht.
...


Warum fällt mir sowas gerade jetzt ein?
Zufall? Schlechtes Omen?

Also meinen Fernseher hab' ich noch nicht zertrümmert - und wenn schon: Hier stehen ja noch drei andere.
Frisch gestrichen hab' ich auch nicht. So grelle Wandfarben bereut man schnell und überhaupt muss man ja tierisch mit dem Feng Shui aufpassen.

Schlafen? Pah!

grüner tee

die spinne in der suppe des guten geschmacks

grüner tee mit zitrone

"Die großen Leute verstehen nie etwas von selbst, und für die Kinder ist es zu anstrengend, ihnen immer und immer wieder erklären zu müssen." -Antoine de Saint-Exupéry-

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